Twitter Auto

Ein weiterer Schritt zum iCar 2.0 (mit dem ich mich auf meinem eigentlichen Blog ja immer wieder beschäftige) – das Auto, dass twittert.

Unser Sharky, der Honda CR-Z mit dem wir auf unserer ORI10K Tour unterwegs sind twittert ja fleissig alle 5 Kilometer seine aktuelle und Durchschnitts-Geschwindigkeit, seinen Kilometerstand, die GPS-Position und den Fahrmodus, in dem er sich gerade befindet.

Der einfache Weg ist, man geht zu einer Firma, die sich auf wissenschaftliche Messungen und Datenerfassung spezialisiert hat – wie Additive-net.de und sagt: “Macht mal, ich komme dann Montag wieder”. Und dann machen die.

Aber einfach ist ja langweilig :)

Wir sind also ein paar Tage bevor ORI10K startete in den Taunus gefahren und haben uns das ganze angeschaut. Wir sind so von 3-4 Stunden Bastelei am Auto ausgegangen. Der CR-Z stand bei Additive-Net vor der Tür und wurde mit einigem Gerät bestückt: Einem Messgerät, dass die Roh-Daten aus dem Bordcomputer ausliest und daraus ein verständliches Infopaket macht und dieses dann in eine E-Mail packt. Dazu noch ein ein Extra GPS, das geographische Länge, Breite und Höhe hinzufügt.

IMG_0562

Soweit so gut. Die E-Mail muss dann ja aber auch aus dem Auto raus. Alle paar Kilometer nen Internetcafè suchen wäre lästig. Also kommt noch ein UMTS Modem mit, das die E-Mails dann verschickt. Die Besonderheit ist hier, dass das Modem mit einer festen IP Adresse versehen ist und in einem eigenen Netzwerk des Mobilfunk-Providers hängt. So kann Additive-Net jederzeit auf die Geräte zugreifen und beispielsweise die zu twitternden Daten ändern.

IMG_0619

Und ein sehr praktischer Diebstahlschutz ist es natürlich auch noch :) ich glaube theoretisch könnte das Auto sogar über das Gerät lahmgelegt werden. Das mit dem lahmlegen hat auch unfreiwilliger Weise ganz gut geklappt. Aber dazu später.

Die besondere Schwierigkeit der Aktion ist nämlich aber überhaupt erstmal die richtigen Daten heraus zu finden. Denn:
Natürlich kommen die ganzen Infos nicht aus dem Diagnose-Stecker im Klartext über das Messgerät auf ein Notebookdisplay. Die Daten sind verschlüsselt, in Hexadezimal, manche Werte werden aus unterschiedlichen Teilwerten per Formel erst vom Bordcomputer errechnet und so weiter. Die liest man nicht eben gerade so aus. Da hilft nur probieren, suchen und testen. Wie zum Beispiel beim Schalter des Fahrmodus: Immer wieder zwischen Sport und Normal hin und her schalten und schauen welcher Wert sich ändert.

Und eines hat sich noch als echt Untersützung heraus gestellt:
Den gerade mal 2 Wochen “auf dem Buckel habende” Honda-Azubi Martin, hatte David Plättner vor allem mitgenommen, damit er mal etwas anderes als nur das Büro sieht. Aber er konnte sich gleich richtig nützlich machen. Wir bekamen nach einiger Telefonarbeit eine Liste mit Codes zugeschickt, die den Werten zugeordnet werden konnten, die das Gerät ausspuckte. Doof nur, dass die Gegenstücke zu den Codes japanisch waren :-) Gut hingegen, dass Azubi Martin von seiner japanischen Frau Mama gut ausgebildet wurde und nach einem Jahr in Japan einiges von den Codes entziffern konnte. Wiederum doof war, dass nichts verwertbares für uns dabei war. Aber der Versuch ist, was zählt :)

IMG_0581

Ähm. Ja. Lahmgelegt. Genau das haben wir beim ersten Einbau auch hingekriegt. Irgendetwas hat eine der Sicherungen im auto rausfliegen lassen, sodass Sharky erst noch einmal in der Honda-Werkstatt in Offenbach durch gecheckt werden musste. Nach Sicherungswechsel läuft er nun aber wie geschmiert und twittert fröhlich vor sich hin. Wir konnten uns alle nicht erklären, wie der Fehler zu Stande kam. Aber als die Jungs von Additive endlich alles verkabelt, Antennen angebracht und Geräte ordentlich im Kofferraum verstaut hatten kam kein Strom mehr an den Geräten an und der Hybrid-Antrieb streikte. Glücklicherweise war es wirklich nur die Sicherung. ich sah schon unseren Starttermin gen September schwinden :)

Da wir am Freitag mit dem Einbau begannen bin ich also mit einem anderen CR-Z, diesmal in Silber nach Hause gefahren (und habe damit bis auf rot alle Farben durch *g*). Am Dienstag drauf wieder runter und habe den wieder auf Vordermann gebrachten Sharky abgeholt.

Warum macht man so etwas denn nun überhaupt? Naja – zum einen weil man auf die Idee kommt und sich in den Kopf setzt, auszuprobieren, ob und wie es geht. Dann natürlich um die ersten zu sein, die so etwas gemacht haben :) Sind wir auch. In Europa. Wir müssen gestehen, dass die Jungs von Ford und einige Studenten uns um drei Wochen zuvor gekommen sind und mit AJ the Fiesta das erste twitternde Auto der Welt hingestellt haben.

Für uns ist es zunächst mal sehr praktisch: Wir können unsere Route recht genau verfolgen. Klar, könnte man mit einem GPS Logger auch (und so einen haben wir als Backup und für die Fotos auch noch dabei) aber das wäre nicht so cool :) Vor allem ist es aber interessant später sehen zu können was unsere Durchschnittsgeschwindigkeit auf der gesamten Strecke war. Oder wie lange wir in welchem Fahrmodus unterwegs gewesen sind, da gibt es eine Menge Möglichkeiten.

Ok, was passiert mit den Tweets, wenn das Auto sie abgeschickt hat? Denn wie eingangs schon gesagt – Sharky sendet erstmal nur E-Mails. Diese Emails gehen an Twittermail und die fügen aus GPS-Daten und Mail-Body einen Tweet zusammen. Vielen Dank an dieser Stelle noch einmal an Sam Wierema für seeine großartige Unterstützung!

So wird also der Twitter Account twitter.com/ori10kCRZ befeuert. Danach kann man dann so nette Sachen machen wie per tweography Karten als Grafiken zusammen zu bauen.

Hier die gesamte bisherige Route:

Und der 14. Abschnitt heute – von Gijon nach A Coruna:

Oder Ihr fügt den RSS Feed der Tweets einfach in das Suchfenster von Google Maps ein, dann werden allerdings nur die letzten 20 Tweets angezeigt.

Das sind erst einmal die naheliegendesten Anwendungsmöglichkeiten. Vielleicht kommt Ihr ja noch auf ganz andere Ideen, was man mit einem twitternden Auto noch alles machen kann. Ich bin mir jedenfalls sicher, dass in ein paar Jahren die Autos nicht nur alle tweeten sondern sich auch untereinander darüber verständigen, was um sie herum auf der Straße gerade alles passiert. Staus, Schlaglöcher, Unfälle, Rehe an der Strasse… All das könnten Autos in einem offen standardisierten Strassennetzwerk in Realtime untereinander austauschen.

Na und von den Fahren ganz zu schweigen. Die Straße um mich herum als Social Netzwerk. Flirten an der Ampel und Profile austauschen. Den Vordermann nicht mit teuren Gesten beleidigen, sondern gleich auf die Pinnwand posten, dass er mit 90 nichts auf der linken Spur zu suchen hat und den Fahrer vom CR-Z nebenan Fragen wo er das nette Zubehör gekauft hat :) Das ist meine ganz persönliche Vision von der nächsten Entwicklungsstufe twitternder Autos.

Und was meint Ihr?

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>